Interview

Heike, geistige Spitzenleistungen gab es zu jeder Zeit. Warum also heute extra Trainings?

Heike Loosen: Wer weiß, was noch alles möglich gewesen wäre, wenn die Menschen bereits früher gewusst hätten, wie man mehr aus den eigenen Fähigkeiten macht?

Das Fantastische ist doch: In jedem von uns steckt ungenutztes geistiges Potenzial. Was wäre, wenn wir auch nur einen kleinen Teil davon erschließen würden? Wir alle können viel mehr, als wir auch nur ahnen. Ein echter Schatz. Um den zu heben, sind unsere Bildungseinrichtungen allerdings noch nicht vorbereitet. Im Gegenteil.

In Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen lernen wir aber doch.

Lernen ist etwas anderes als frontale Wissensvermittlung. Stillsitzen ist einfach unnatürlich und eine Kultur der Fehlervermeidung das Ende der Lust zu experimentieren. Und wenn man nicht direkt alles richtig macht, ist man ein hoffnungsloser Fall. Die Folge davon ist, dass die natürliche Lernfreude den Bach runter geht und mit ihr das Selbstbewusstsein und die empfundene Selbstwirksamkeit. Lernsituationen werden dann gemieden, und es kommt zu einer Spirale von Unfähigkeitsgefühl und Meidungsverhalten.

Die moderne Technik unterstützt diesen Prozess, denn wer muss sich noch Telefonnummern oder Jahreszahlen merken – man kann doch alles googeln, oder man hat die Information im Handy. Einzig bei Namen wird es manchmal peinlich.

Was ist deine Lösung?

Es gibt wunderbare Übungen und Methoden, die geistige Fitness zu fördern. Ganz gleich, wo jemand steht. Seit Jahren studiere ich die modernen Neurotechniken und -methoden und übernehme ganz gezielt die erfolgversprechdsten Ansätze. Was dabei ganz besonders wichtig ist, ist die Leichtigkeit. Lernen und lachen scheinen in Teilen unserer Gesellschaft noch Gegensätze, dabei unterstützt lachen, weil es entspannt. So sind wir am aufnahmefähigsten. Wir könnten uns auch einfach anschauen, wie die echten Experten für Lernen es machen – Kleinkinder. Es ist enorm, was die alles aufnehmen, wenn man sie lässt. Und dabei lachen sie und freuen sich. Ganz natürlich.

Jeder kann seine geistigen Fähigkeiten weiterentwickeln – ohne Einschränkungen?

Absolut. Denn unser Gehirn ist plastisch. Das heißt, wir können es selber entwickeln. Dabei bilden sich dann neue Vernetzungen der Neuronen. Je mehr, desto leistungsfähiger sind wir mental. Das funktioniert in jedem Alter. Es gibt also tatsächlich nur die Grenzen, die wir akzeptieren. Und es ist für jeden Teilnehmer ein sehr emotionaler Moment, zu erleben, dass sich die geistige Fitness entwickelt und wie leicht neue Fähigkeiten das Leben bereichern. Auch für mich, denn allein darum geht es mir.

Was konkret ist der Effekt?

Studien belegen, wie viel erfolgreicher Menschen langfristig sind, wenn die geistige Fitness trainiert wird. Die Rückmeldungen von meinen Teilnehmern reichen von einem gestiegenen Selbstwertgefühl über neue Klarheit bei Denkprozessen bis hin zu gesteigerter Kreativität. Entscheidungen zu treffen fällt auf einmal leicht, was früher ein aufreibendes Hin-und-Her war. Viele Teilnehmer berichten von vermeintlichen Defiziten, die sie plötzlich überwunden haben, wie etwa Vergesslichkeit oder Konzentrationsschwäche. Auch von einem reduzierten Stressempfinden und erhöhter Entspannung höre und lese ich oft. Das ist natürlich ein echter Gewinn an individueller Lebensqualität. Und das ist es am Ende, worum es wirklich geht.